Zur Navigation


Das Imster Bußkreuz

Dort, wo heute ein schlichtes Kreuz den Straßenknoten Langgasse - Meranerstraße - Ing. Baller Straße markiert, hieß einst ein mächtiges Kreuz die Besucher am Imster Ortseingang willkommen. Und dieses Kreuz hat diesem Ort auch seinen Namen Bußkreuz gegeben.

Das Kreuz wurde als Missionskreuz errichtet und am 09. März 1854 feierlich eingeweiht. Wie uns durch eine Lithographie überliefert ist: Missionskreuze sind Zeugnisse der sogenannten Volksmissionen, bei denen Gruppen von (Jesuiten)-Patres von Ort zu Ort zogen. Sie sollten die ohnehin christliche Bevölkerung aber nicht vom christlichen Glauben überzeugen, sondern den Glauben allgemein intensivieren und dafür sorgen, dass die Menschen nicht von diesem abkommen.

Dieses Kreuz (ein großes Holzkreuz mit kleeblattförmigen Enden) überragte die in unmittelbarer Nähe befindliche Kapelle aus Duftstein. Diese beherbergte ein Ewiglicht sowie eine Grotte für die Heilige Maria Magdalena als Büßerin. Maria Magdalena ist eine der wenigen Frauen, von denen uns das neue Testament berichtet. Ihre Geschichte ist Sinnbild für Buße, Reue und die Göttliche Barmherzigkeit. Das Imster Bußkreuz wurde zu besonderen Anlässen feierlich geschmückt, etwa zur Johannisprozession am 24. Juli. Aber auch Ehrengäste wurden da bei ihrer Ankunft in Imst besonders feierlich empfangen. Den Nationalsozialisten jedoch waren derart prachtvoll zur Schau gestellte Symbole des christlichen Glaubens zuwider. Das Bußkreuz musste 1939 dem Regime weichen, mit der offiziellen Begründung, es müsse als "Verkehrshindernis" entfernt werden. Damit teilte das Bußkreuz sein Schiksal mit weiteren Imster Kreuzen, Brunnen und heiligen Figuren. Während die Grotte und die Figur der Maria Magdalena verschollen blieb, wurde das Bußkreuz beim Imster Kapuzinerkloster aufgestellt. Nach dem Krieg bemühte man sich am ursprünglichen Standort des Bußkreuz wieder ein neues Kreuz aufzustellen, was 1955 gelang. Die Kapelle für Maria Magdalena wurde nicht mehr in Stand gesetzt. Auch dieses neue Kreuz durfte nicht stehen bleiben, 1969 wurde es stillschweigend, doch mit Zustimmung des Herrn Dekan, wie die Chronik zitiert, entfernt. Dieses Kreuz soll am "Narrenkopf" unterhalb der Platteinwiese aufgestellt worden sein.

Erst 1986 wurde wieder ein Kreuz errichtet: In Zusammenarbeit mit Schülern des BRG Imst erfolgte eine Neugestaltung des Bußkreuzparks, und im Zuge dieser Arbeiten ließ die Zunft der Schlittenzieher der Unterstadt ein neues Kreuz anfertigen.

Dieses hat auch die jüngsten Umbaugestaltungsarbeiten (Kreisverkehr und Postplatzumbau) überstanden, womit auch heute noch ein - zwar kleines, schlichtes - Kreuz an das alte Bußkreuz erinnert.